Der Chor Vorschau Konzert-Chronik Presse Kontakt & Service MFC Intern






Was ist ein „Gesprächskonzert”?


Was steckt hinter den Tönen? Manchmal möchte man das gerne wissen. In welcher Situation hat der Komponist wohl diese unglaublich frohe Arie komponiert? Was hat er sich bei jenem Text gedacht? Warum kommt mir diese Melodie bekannt vor? Oder: Welche musikalischen Mittel muss man einsetzen, um solch eine traurig-dramatische Wirkung zu erreichen? Großartige Musik kann neugierig machen. Aber in den seltensten Fällen werden solche Fragen beantwortet. Was tun?

Ein „Gesprächkonzert” ist eine unterhaltsame Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, was hinter den Tönen steckt. Und das geht so: Chor und Orchester musizieren ein kurzes Stück aus einem Werk – und dann erklärt der Dirigent etwas zu diesen Takten. „Haben Sie diese aufsteigende Linie im Bass gehört, während der Sopran noch nach unten singt? Das bedeutet Hoffnung, trotz aller Verzweiflung! ... Hört sich das nicht etwas italienisch an? Die Einflüsse von Vivaldi sind hier unverkennbar ...”

Stück für Stück wird so ein musikalisches Werk verständlicher und transparenter gemacht. Dabei bleiben die Erklärungen immer direkt an den Tonbeispielen. Selbst wenn Theoretisches geboten wird: Die Praxis hat man durch die vielen Musikbeispiele immer im Ohr. Und am Schluss, wenn das Werk noch einmal als Ganzes musiziert wird, erklingt die Musik – jetzt reich an Hintergründen und Bedeutungen – noch großartiger. Das Gesprächskonzert ist also kein langweiliger Vortrag, sondern Gespräch zwischen einem Dirigenten und dem Publikum, vor allem aber: Ein Gespräch zwischen Tönen und Text.

Bei Johann Sebastian Bach lohnt sich solch ein „Blick hinter die Töne” ganz besonders, weil bei ihm die Töne fast immer eine ganz besondere Bedeutung haben. Seine Musik ist Ausdruck tiefer Gläubigkeit. Er nutzt eine vielfältige Symbolik und eine reiche Palette an musikalischen Mitteln, um Verzweiflung, Trost und Freude im Glauben darzustellen. Voller theologischer Andeutungen und Ideen sind seine geistlichen Werke, Melodie und Text sind eng miteinander verknüpft: Wer eine Arie wie „Ich folge dir gleichfalls” hört, muss das „Nachfolgen” auch in den Tönen empfinden können. Davon war Bach überzeugt. Etwa 200 Kantanten hat der große Theologe und Musiker komponiert, allesamt mit einer Botschaft hinter den Tönen. Die entdeckt man aber oft nicht beim ersten Durchgang, sondern erst beim genauen Hinhören und mit Erklärungen – zum Beispiel in einem Gesprächskonzert.

Sie sind herzlich eingeladen, mit uns Bach und seine Werke tiefer zu verstehen – und der Frage nachzugehen, was hinter den Tönen steckt!