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Der Komponist als Forschungsobjekt: Musikwissenschaftliche Tagung und Konzert zu Johann Sebastian Bach im Erbacher Hof

Allgemeine Zeitung Mainz - Dienstag, 30. Januar 2001

ham. - Ein umfangreiches und vielseitiges Programm erwartete die Teilnehmer der Bach-Tagung im Erbacher Hof. Unter dem Titel „Johann Sebastian Bach – Musikalische Gnadengegenwart” wurden verschiedene Vorträge und ein Konzert angeboten.

So befasste sich zum Beispiel der Freiburger Theologe Dr. Meinrad Walter unter anderem mit verschiedenen Bach-Bildern und zeichnete deren Entwicklung aus Bachs Lebzeiten bis hin zur heutigen Diskussion nach. Die zentrale These seines Vortrages war, dass es eine vollständige Bach-Rezeption nicht geben könne.

Interessant war auch der kritische Vergleich der beiden im letzten Jahr erschienenen Gesamteditionen der Kompositionen Bachs, den der Musikwissenschaftler Dr. Reinmar Emans vom Bach-Institut Göttingen anstellte. Dabei zog er den künstlerischen Wert und die historische Authentizität sowie die Benutzerfreundlichkeit der CD-Sammlungen in Betracht. Eine Bevorzugung war seinen Ausführungen aber nicht zu entnehmen.

Das Konzertprogramm blieb ausschließlich den Kompositionen Bachs vorbehalten. Der Mainzer Figuralchor eröffnete in gewohnter Professionalität mit der Choralmotette „Jesu, meine Freude”, BWV 227. Dirigent Stefan Weiler legte dabei viel Wert auf eine starke musikalische Textausdeutung. Verspielt, aber nicht leichtsinnig, wirkte der Argentinische Pianist José Gallardo. So gelang es ihm selbst bei der Chromatischen Phantasie und Fuge in d-Moll, BWV 903, betonte pianistische Virtuosität zur Schau zu stellen, ohne dass vom ernsthaften Charakter des Werkes allzu viel verloren ging. Bei der Sonate für Violoncello und Tasteninstrument in D-Dur, BWV 1028, sprang der Münchner Cellist Sebastian Hess für den erkrankten Julius Berger, seinen ehemaligen Lehrer, ein. Auch seine Darbietung zeigte vor allem in den beiden schnellen Sätzen enorme Spielfreude.