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Die Wiederbelebung der Orgel scheiterte – Mainzer Figuralchor sang Rheinberger und Verdi

Mainzer Rhein-Zeitung - Montag, 19. Februar 2001

MAINZ. Was haben Giuseppe Verdi und Josef Rheinberger gemeinsam? Beide waren angesehene Komponisten, starben im gleichen Jahr und standen nun auch gemeinsam auf dem Programm des Mainzer Figuralchores. Damit bewies der künstlerische Leiter des Chores, Stefan Weiler, nicht zum ersten Mal sein Gespür für sinnreiche Programmgestaltung.

Den Anfang und das Ende des geistlichen Chorkonzertes in der St. Bonifaz-Kirche bildeten die „Fünf Hymnen” op.140 von Josef Rheinberger. Sie formten die stilistischen Grenzen, an denen der aufmerksame Zuhörer Chorwerke von Verdi und Bach messen konnte. Man bedenke: Während Verdi zu seinem hundertsten Todesjahr im öffentlichen Bewusstsein fest verankert ist, bleibt Rheinberger nahezu vergessen.

Dabei war der Professor für Komposition und Orgelspiel an der Königlichen Musikschule in München in der Musikgeschichte kein Niemand. Seine Werke fanden weit verbreitet, sein Ruf als Konzertorganist war international hervorragend, und zu seinen Schülern zählten keine geringeren als Engelbert Humperdinck oder Wilhelm Furtwängler.

Die Musik seiner „Fünf Hymnen” ist gelehrt, besitzt einen edlen wie sanftmütigen Charakter. In ihr treffen sich ausgeprägtes Formbewusstsein, liedhafte Melodik und souveräne Satzkunst. Immer wieder brechen die Stimmen aus, finden zueinander, dialogisieren und gelangen im Tutti zu dramatischer Höhe.

Der Figuralchor kam dem musikalischen Verlauf mit vollem Klang, emotionsgeladener Textausdeutung und großer Geste entgegen. Die schlichte Orgelbegleitung von Christian von Blohn wirkte aber durch die atmende Dynamik des Chores befremdend leblos. Sein Können bewies der Organist dann bei Bachs Präludium in Es-Dur BWV 552,1.

Doch ein Stromausfall setzte dem romantisch registrierten Tastenzauber kurz vor Schluss ein jähes Ende und machte dem Konzertablauf einen Strich durch die Rechnung. Alle Wiederbelebungsversuche schlugen fehl, und so mussten Daniel Roths „Messe Brève” für gemischten Chor und Orgel sowie César Francks Choral in a-Moll für Orgel kurzerhand ausfallen.

Das Publikum gab sich aber nicht verärgert, denn es erlebte zum Ausgleich ergreifende, gefühlvolle Interpretationen von Bachs Motette „Jesu, meine Freude” BWV 227 und Verdis „Pater noster”.

von Thomas Klima