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Dämon im heiligen Klang: Verdis „Requiem” unter Stefan Weiler in Mainz/Glänzende Solisten

Allgemeine Zeitung Mainz - Dienstag, 10. April 2001

Ein Großteil des Publikums, das sich am Sonnteg zu Verdis „Messa da Requiem” mit dem Mainzer Figuralchor in der Mainzer Bonifaziuskirche eingefunden hatte, ahnte wohl, dass dies eine hervorragende Aufführung des Sakralwerkes werden würde.

Man durfte also eher auf das „Wie” gespannt sein - als Stefan Weiler zum verklärten Beginn des weitenteils opernhaften Requiems die Hände hob und die Pianissimo-Klänge der Mainzer Camerata Musicale in die Stille der vollbesetzten Kirche eintauchte. Mit mystischem Charakter schlich sich der Chor unmerklich, doch intonatorisch perfekt und stimmlich ausgewogen in die zarten Streicherharmonien ein.

Das Solistenquartett, bestehend aus Susanne Maria Köhler (Sopran), Ingeborg Danz (Mezzo), Corby Welch (Tenor) und Hernan Iturralde (Bass) konnte bereits in der ersten Nummer sein feines Gespür für ausbalancierten Ensemblegesang unter Beweis stellen. In straffem Tempo und wahrhaft dämonisch interpretierte Weiler das „Dies irae”: In weit ausschwingender, rhythmisch akzentuierter Gestik ließ er die Ferntrompeten (Tobias Vorreiter und Heinrich Prinz) fulminant und beängstigend schmettern, strich aber auch die Holzbläser sorgsam heraus.

Mit angemessener Gravität gestaltete Iturralde das „Tuba mirum”, Ingeborg Danz glänzte im „Liber scriptus” mit großer Stimme und musikalischer Genauigkeit; vom sauberen Orchesterklang getragen, sang Welch das „Ingemisco” weich und dennoch entschlossen.

Das „Offertorio” bereitete der Camerata Musicale zunächst geringfügige Probleme, hingegen strahlten die Soli von Therese Geisler (Flöte) und Ates Yilmaz (Klarinette) große innere Ruhe aus. Markant formte Weiler den Kontrast zwischen dem als Freudenfest gestalteten „Sanctus” und dem erhabenen „Agnus Dei”; Sopran und Mezzosopran harmonierten mit dem Chor in getragenem Unisono-Gesang stimmungsvoll.

Wenn auch die sensible Akustik der Kirche die Intonation im Ensemblegesang des „Lux aeterna” schwierig erscheinen ließ: Dem Chor gelang es, durch den hauchzart geflüsterten Einstieg in das Schluss-Stück den entrückten Charakter des Anfangs wieder aufzugreifen. Durchaus eigenwillig in den Tempo-Vorstellugen, meisterte Susanne Maria Köhler ihr wichtiges Sopran-Solo im „Libera me” mit sehr persönlicher Hingabe - und brachte das Werk zu einem ergreifenden Ausklang.

von Björn Hegar