Der Chor Vorschau Konzert-Chronik Presse Kontakt & Service MFC Intern






 


Dämonischer Furor – Figuralchor unter Weiler: Mozart, Bach, Pärt

Allgemeine Zeitung Mainz - Dienstag, 26. März 2002

Ausgekostete Stille: Getreu der Handschrift ließ Dirigent Stefan Weiler Mozarts Requiem d-Moll (KV 626) nach dem achten Takt des „Lacrimosa” schroff abbrechen und führte das mysteriöse Spätwerk so in St. Bonifaz ohne die komplettierenden Sätze Süßmayrs auf. Die ungewöhnliche, aber im Grunde authentische Verkürzung aufs Fragment beschränkt die Komposition sinnvoll auf das Wesentliche.

Das effektvolle Ende erinnerte nebenher auch an die dramatischen letzten Lebenswochen Mozarts. Bei eher schnellem, zum Teil rasanten Tempo zeigte der Mainzer Figuralchor seine große Beweglichkeit: Das riskante „Dies irae”, beinahe schon wegbrechend, war eine Meisterleistung. Ein dämonischer Furor entstand. Der Chor bestach durch Volumen, mitunter hätte man sich mehr Abstufungen gewünscht. Doris Döllinger (Sopran) glänzte gleich zu Beginn mit einem herrlichen Solopart. Die Solistenquartette („Tuba mirum”, „Recordare”) zeichneten sich durch eine schöne Gleichgewichtung der Stimmen aus.

In Bachs für den Palmsonntag komponierten, passend als Einleitung dargebotenen Kantate „Himmelskönig, sei willkommen” (BWV 182) überzeugte der klar intonierende, feste Bass von Guido Heidloff, während Barbara Arneke (Alt) ihre Stimmkraft für Bachs Musik etwas zu theatralisch einsetzte. Das sicher begleitende Orchester der Mainzer Camerata Musicale betonte die zusätzliche Farbgebung der Arien durch spärliche Instrumentierung: Düster unterstrichen die Bässe allein die Tenorarie von Corby Welch; in Sinfonia wie Altarie bot Katharina Hess berückendes Flötenspiel.

Das Hauptgewicht aber lag auf Arvo Pärts Psalmvertonung „Miserere”, das kürzlich ebenfalls im Dom zu hören war. Bach und Mozart wurde eine moderne, radikal weltabgewandte Form religöser Musik gegenübergestellt – eine zeremonielle Musikauffassung. Langsamkeit, Pausen und Haltenoten legen auf jedes Wort des Psalmisten ein eigenes Gewicht, das alle Gesangssolisten sehr wirkungsvoll zu übermitteln wussten. Die starre Monotonie erzeugte eine Dramatik, die auf dem Gefühl stillstehender Zeit beruhte und gleichsam Grabesluft atmen ließ.

von Alexander Losse