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Heiteres, Luftiges und Deftiges – Von Haydn bis Brahms: Figuralchor begeisterte mit musikalischer Reise

Mainzer Rhein-Zeitung - Montag, 27. Mai 2002

MAINZ. Anhaltender rhythmischer Applaus: Das Publikum verlangt eine Zugabe. „Wir haben leider nix mehr!”, bedauerte Stefan Weiler, musikalischer Leiter des Mainzer Figuralchores. Im Namen der Sänger bedankt er sich aber bei den Zuhörern: „Sie waren großartig.”

Ergänzend zur Bistumsausstellung „Vom Kirchenfürsten zum Bettelbub” im Rahmes des Katholikentags hatte der Chor am Samstag zu einer „Geselligen Reise von der Klassik in die Romantik” in den Erbacher Hof eingeladen. Und gesellig war das kleine Konzert, das treffend unter dem Motto „Heiteres, Luftiges und Deftiges musikalischer Meister” stand. Nicht zuletzt auch, da der Dirigent es verstand, äußerst kurzweilig durch den Abend zu führen.

Haydn, Mozart, Mendelssohn und Brahms, in dieser Reihenfolge des Epochenwandels vor 200 Jahren präsentierte der stimmenstarke Figuralchor Lieder und Kanons jener Zeit. Da war zunächst der typische Klassiker Haydn: Es sind „hausbackene Texte”, die er zum Ende des 18. Jahrhunderts in meisterhafte Musik vertonte. Überschwängliche Lebensfreude drückt sich in euphorisch gesungenen Koloraturen aus, in schneidenden Dissonanzen präsentiert sich sein Zynismus zum Thema „Eheharmonie”.

Bei Mozart, der kurz vor dem Übergang zur Romantik steht, wird die Musik spielerisch, teils sind die Texte von drastischer Schärfe und Derbheit. Interessant sind seine Kanons auch wegen ihres Aufbaus. Weil die Sänger sich in mehreren Gruppen jeweils als Einzelchor im Saal verteilen, erklingen die Mozart-Lieder gewissermaßen in Dolby-Surround. Das macht Spaß, wie nicht nur den Sängern anzumerken ist.

Mit Mendelssohn Bartholdy entführten Weiler und sein Figuralchor die Zuhörer mit Liedern wie „Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht” mitten hinein in die romantische Sehnsucht. Beschwingtere, fast tanzende Töne dann im Mailied.

Wesentlich differenzierter sind zuletzt die Arbeiten von Brahms. Vom stilisierten Volkston über romantischen Nachtzauber, zur Lyrik und hin zum Madrigal, sechs Lieder, die den musikgeschichtlichen Höhepunkt der Entwicklung von der Klassik bis zur Romantik deutlich machen.

Weiler beendete seine kurzweiligen Erläuterungen zu den einzelnen Beiträgen. „Diese Lieder müssen im Zusammenhang gesungen werden, sie haben es verdient.” Genauso wie am Ende der Figuralchor den anhaltenden Applaus. Es war eben nicht nur ein großartiges Publikum, auch der Liederabend war es.

von Andrea Krenz