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Feingeschliffene Stimmbrillanz: Mainzer Figuralchor beeindruckt in PaulskircheDie Rheinpfalz - Montag, 17. Juni 2002KIRCHHEIMBOLANDEN - Einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ der „Mainzer Figuralchor” zum Auftakt des „Orgelsommers” in der Kirchheimbolander Paulskirche. Nach einem Ensemble vergleichbarer Qualität wird man in weitem Umkreis suchen müssen: Jede einzelne Stimme klingt „schön” und hörbar durch Feinschliff in Artikulation, Rhythmik und Dynamik geschult. Unter der langjährigen Leitung von Stefan Weiler entwickelte sich ein Klangkörper von runder Homogenität und Konzertanz, dem schwierigste Hürden wenig zu bedeuten scheinen. Einziges Manko vor Ort war die Akustik; schnelle Passagen wirkten zumindest etwas verhallt und unscharf. Auf dem Programm stand geistliche Musik aus England von der Renaissance über Purcell bis ins 20. Jahrhundert, teilweise auch lateinisch gesungen. Der Kreis begann und schloss mit Benjamin Britten, dessen Stil Nachklänge des Impressionismus mit modernen wie lange tradierten Elementen vereint. Der pointierte und fesselnde Einstieg in die an Höhepunkten reiche Auswahl gelang mit seinem Antiphon op 56 b für Chor und Orgel. Insgesamt kam der „Königin der Instrumente” bei diesem Konzert mehr eine begleitende, allenfalls noch dialogisierende Rolle zu – der Speyerer Domkantor Christoph Keggenhoff spielte ihren Stellenwert voll aus. So gelangen zunächst farbige Klangkontraste zwischen dem düster- hintergründigen Orgelsatz und dem emphatisch einstimmenden Chor, der dem Inhalt, einem inbrünstigen Gebet, nichts an Ausdruck schuldig blieb. Überzeugend, da durchdacht und organisch aufgebaut, gestaltete Weiler – und dieser Eindruck sollte sich in der Folge vertiefen – die crescendi beziehungsweise decrescendi (An- und Abschwellen der Lautstärke): Unterm Strich blieben damit durchgehaltene Spannung, samtweich durchdringende pianissimi, tragfähiges Volumen in den dramatischen Ausbrüchen. Bei allem Ringen um Suggestion verzichtete der Dirigent auf Schnörkel und Effekte. Große Ausstrahlung brachte die Solistin Beate Heitzman, Sopran, mit. Ihre Stimme war von opernhafter Fülle wie überspringender Emotionalität und ließ auch in Koloraturen der oberen Höhe keine metallische Härte aufkommen. Warm und intensiv wurden „Drei marianische Gesänge” op. 2 für Solo, Chor und Orgel von Edward Elgar nachvollzogen, der erkennbar unter dem romantischen Einfluss des 19. Jahrhunderts steht. Besonders eindringlich erklang zuletzt das von der Orgel behutsam untermalte Sopransolo. A capella lief der Chor zu beeindruckender stimmlicher Prachtentfaltung auf – etwa bei dem Jubelgesang William Byrds „Sing joyfully” oder den Klageliedern des eine Generation älteren Thomas Tallis – unmöglich, hier auf alle Stücke einzugehen. Von herausragendem Reiz war der fast schon in Richtung Sinfonieorchester weisende opulente Klang bei Charles V. Stanford, einem Zeitgenossen Elgars. Mitreißen durch seinen musizierfreudigen Schwung wie die stringent eingesetzte Gegenstimmigkeit musste sein Anthem aus op. 38 für zwei 4- stimmige Chöre „Coelos ascendit hodie”. Zuletzt nicht enden wollender Beifall, aber leider keine Zugabe. Verdient hätte dieses anspruchsvolle Konzert sicher einen besseren Besuch. (fun)
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