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Die Fusion schlagt zurück

Mainzer Rhein-Zeitung - Dienstag, 19. November 2002

Zusammengefügt, was nicht zusammengehört: 2. Mainzer Meisterkonzert

MAINZ. In der Wirtschaft haben Fusionen ihren angestammten Platz, im klassischen Sinfoniekonzert sind sie dagegen eine Seltenheit. Synergien verspricht man sich von ihnen, und gegenseitige Befruchtung. Dieser Anspruch, den zu halten schon Konzerne nicht immer in der Lage sind, er führt bei Sinfoniekonzerten selten zum Erfolg.

Damit etwa die Fusion zwischen der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und einem kirchenmusikalisch geprägten Chor wie dem Mainzer Figuralchor zu einer neuen, größeren und besseren Einheit wird, ist auch die passende Musik notwendig. Genau da lag aber das Problem beim 2. Mainzer Meisterkonzert in der Rheingoldhalle. Denn so richtig passt nicht zusammen, was hier neben- und ineinander gestellt wird: Gustav Mahlers siebte Sinfonie ist für sich genommen schon ein gewaltiger Brocken.

Die Madrigale von Gesualdo – so sauber und einfühlsam, so überzeugend und sorgsam sie der Mainzer Figuralchor unter Stefan Weiler auch sang – sie wurden im großen Saal nicht heimisch. Wie ein Fremdkörper standen sie mitten in Mahlers Siebter zwischen den Sätzen.

Segerstam hatte allerdings schon im ersten Satz Probleme, eine Einheit zu formen. Hier rächte sich seine konfrontative Interpretation, die vor allem die Soli der Blechbläser extrem hervorhob, ein wenig. Und auch sein fahriger Dirigierstil machte sich bemerkbar: Wer so wild um sich fuchtelt, darf sich nicht wundern, wenn das Orchester auch so spielt und die rhythmische Präzision ab und an außer Acht lässt.

In dem hier aufgespannten Feld zwischen Segerstams Tendenz zur Oberflächlichkeit und seiner überzeugenden Einfühlung bewegten sich denn auch die restlichen Einzelteile der Sinfonie. Außerordentlich plastisch, aber nie plakativ gelang ihm das Scherzo. Weniger glücklich versuchte er sich dann an der zweiten Nachtmusik, die anfangs sehr flach und in einzelne Episoden aufgedröselt daherkam.

Dass Dirigent Segerstam und die Staatsphilharmonie gerade hier erst so spät zu sich kamen, wunderte aber kaum: Zwischen dem Scherzo und dieser Nachtmusik schrieb das Programm eine Pause vor – ein unverzeihlicher Angriff auf die Einheit der drei mittleren Sätze.

Das ausufernde Rondo schließlich wurde bei Segerstam zum technischen Bravourstück: Nichts war hier von der makaberen Ironie des dritten Satzes, die er so präzise ausgearbeitet hatte, zu spüren. Stattdessen erging er sich in rein affirmativem Jubel in C-Dur, ständig gesteigert bis zum infernalischen Getöse der letzten Takte. Ein bischen zu viel des Guten – die Zuhörer stürmten nach kräftigem Applaus beinahe fluchtartig aus dem Saal.

von Matthias Mader