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Im Ton vergriffen
Allgemeine Zeitung Mainz - Donnerstag, 17. April 2003
Zu unserer Rezension des Figuralchor-Konzertes mit Bachs Johannes-Passion
erreichte uns diese Zuschrift:
Die Rezension wurde der Gesamtaussage und dem beabsichtigten dramatischen
Gestus gerecht. Im Ton hat sie sich allerdings vergriffen und rückte
der zitierten „alten adeligen Witwe” doch recht nahe. Gerdaezu
widersinnig wäre es, sich bei einer „durch und durch dramatisch
gestalteten Passion” einen statisch unbewegten, ja ungerührten
Dirigenten vorzustellen, der mit dem Kopf hinter der Partitur verschwindet.
Warum hat der Kritiker nicht erwähnt, dass Stefan Weiler das
gewaltige Werk auswendig und bis in die kleinsten Details absolut zuverlässig
dirigiert hat? Kann „mimische und gestische Umsetzung” nicht
auch ein Zeichen eigener innerer Spannung und Ergriffenheit sein? Auf
diese Frage hatte wohl die gesamte Zuhörerschaft eine andere Antwort
als die „einigen Zuschauer (!)”, die sich „ein Lächeln
nicht verkneifen” konnten.
Helmut Frölich, Mainz
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