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Die Leiden des Sterbens waren spürbarMainzer Rhein-Zeitung - Donnerstag, 17. April 2003Gelungene „Johannes-Passion” in der Reihe Dierdorfer Konzerte - Große Leistung aller InterpretenDIERDORF/MARIENRACHDORF. Von Bachs „Johannespassion” heißt es: Sie sei gut interpretiert, wenn die Botschaft der Bibel durch Ton und Wort erfühlbar wird. Dies ist dem letzten „Dierdorfer Konzert” der Saison gelungen. Unter der Leitung seines Gründers Stefan Weiler, einem international tätigen Bach-Experten, gastierte der Mainzer Figuralchor in der Marienrachdorfer Kirche. Er wurde begleitet vom Kammerorchester Camerata Musicale Mainz. Während sich die Wahl der Marienrachdorfer Kirche aus akustischen Gründen als vorteilhaft erwies, hatte sie als Konzertbühne Schwächen: Der massige Steinaltar hielt den Dirigenten auf Distanz zu seinem Chor. Und der als „Pilatus” souveräne Bass Johannes Martin Kränzle war an den rechten Rand platziert, weil der Ambo im Weg stand. Die Leistung der Interpreten beeinträchtigte das nicht. Für die „Johannes-Passion” Johann Sebastian Bachs in der Fassung von 1725 bedankten sich rund 200 Besucher mit mehrminütigem Applaus. Der Tenor Corby Welch schaffte es, seine Partie des Evangelisten Johannes als Erzähler zu gestalten: In seiner Stimme schwang Dramatik mit. Die dunkle Seite des Zwiespaltes, dass eine grausame Hinrichtung bevorsteht, die gleichzeitig Vergebung bedeutet, machte die Altistin Carolin Masur hörbar in der Arie „Von den Stricken meiner Sünden mich zu entbinden, wird mein Heil gebunden”. Die helle Seite der Erlösung besang die stimmlich sehr bewegliche Sopranistin Cornelia Samuelis in der folgenden Arie „Ich folge Dir gleichfalls mit freudigen Schritten”. Sensibel, auch im Zusammenspiel mit Solisten und Chor, zeigte sich die Camerata Musicale. Besonders ohrenfällig wurde das etwa in der Arie „Himmel, reiße, Welt, erbebe”, in der sich Bass, Sopran und Chorpassagen abwechseln und überlagern. Der Figuralchor gab dem Passionsgeschehen die Kulisse einer lebendigen Volksmenge, die bekommt, was sie fordert. „Weg, weg mit dem, kreuzige ihn”. Der Jesus des Bassisten Guido Heidloff: Gefasst. Während in Oratorien gelegentlich die Wechsel zwischen Solo- und Chorpartien zu Unterbrechungen führen, hatte Chorleiter Stefan Weiler eine schnelle, fesselnde Passion einstudiert. Pausen gab es nur dort, wo sie der Komponist vorgesehen hat oder sie dramaturgisch sinnvoll sind – nach dem letzten Wort von Jesus, „Es ist vollbracht”. von Martin Sturm
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