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Auffallend beliebiges KlangspektakelMainzer Rhein-Zeitung - Donnerstag, 8. April 2004Passionskonzert des Figuralchores in St. BonifazMAINZ. Am Schluss wurde es dann noch einmal richtig heftig – und ziemlich laut: Mit mächtiger Unterstützung des Blechbläserensembles von Eckhard Schmidt brachte der Mainzer Figuralchor in seinem Passionskonzert St. Bonifaz gewaltig zum Dröhnen. Aber das war auch schon das einzige, was man an Hindemiths skurrilem „Apparabit repentina dies” bewundern konnte: Der Text, ein lateinisches Gedicht aus dem frühen Mittelalter, blieb weitgehend unverständlich, die Musik war auch nicht gerade intuitiv zugänglich. Selbst das Mitlesen war gar nicht so einfach: Die große Textmenge treibt Hindemith zu einem ziemlich aberwitzigen Tempo, und der letzte Lateinunterricht ist doch schon eine Weile her. Übrig bleibt also ein auffallend beliebig wirkendes Klangspektakel, in das Chor und Bläser eine Menge Kraft und Disziplin investieren. Bei Purcells „Funeral Music of Queen Mary” war das ein wenig anders:
Schon das langsame Tempo sorgt für mehr Offenheit, auch ist die Msuik
nicht so kryptisch. Im Gegenteil: Die dunklen Farben der Düsternis und
der Trauer sind gerade im aufs Wesentliche reduzierten schlichten Satz stark
gesteigert. Dafür sorgte vor allem der Dirigent Stefan Weiler: Behutsam
und penibel leitete er seinen Chor sehr konzentriert und diszipliniert an,
ohne sich und den Sängern ein Nachlassen der Spannung zu gönnen.
Und dass er die Bläser hier in der Sakristei versteckt hatte, sorgte
für ausgewogenen und atmosphärisch sehr ansprechenden Klang. Ungeahnte ReservenGenuine Passionsmusik ist aber vor allem Domenico Scarlattis „Stabat Mater”. Und hier drehte der Figuralchor unter Stefan Weiler auch eindeutig am meisten auf, hier entdeckte er fast ungeahnte Reserven – etwa im triumphalen und gewissen Schluss, dem fünfminütigen „Amen”. Sicher, an mancher Stelle war hier die Anstrengung des verwickelten zehnstimmigen Chorsatzes zu hören, war die Intonation nicht ganz so perfekt und brach auch der Chorklang einige Male arg weit zusammen. Aber die emotionale Bandbreite, die Plötzlichkeit der abrupten Stimmungswechsel und die plastische Darstellung der reichen Figuren mit ihren engen Beziehungen zwischen Wort und Musik, das alles gelang dem Figuralchor gut. Das lag aber auch daran, dass Weiler hier eine sehr zügige und kompakte Darstellung entwickelte, die all die mannigfaltigen Binnenhöhepunkte dieser an Effekten so reichen Musik in ihrer feinen Abstufung hervorragend entwickelte und so zu einer Geschlossenheit der musikalischen Form führte, die den Text zwar ein wenig in den Hintergrund drängte, die Musik dafür aber besonders effektvoll präsentierte. von Matthias Mader
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