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Gesangliche Schätze aus fünf JahrhundertenDie Rheinpfalz - Montag, 23. Mai 2005Mainzer Chor Musica Figuralis [sic!] gastierte in St. Ludwig; Mammutprogramm „Von Monte bis Verdi”KULTURTAGE FRANKENTHAL - „Musica figuralis” nannte man in der Renaissance den auf dem komplexen Wechselspiel gleichberechtigter Stimmen basierenden kunstvollen Stil, der im Gegensatz zun „cantus planus” mit verschiedenen Notenwerten arbeitete. Diese Stilbezeichnung machte sich der Mainzer Figuralchor unter der Leitung von Stefan Weiler zum Namen, der am Sonntagabend im Rahmen der Kulturtage in St. Ludwig gastierte und die Zuhörer mit italienischer Chormusik erfreute. Das hochkarätige Programm „Von Monte zu Verdi” glänzte durch seine immer neu gewählten Klangkontraste und -kombinationen, die der etwa 50-köpfige Chor exzellent einzusetzen wusste. Plötzlich ertönten Solostimmen aus dem Off, man konnte sie zunächst nicht den Gesichtern zuordnen, war gebannt von der Homogenität und Geradlinigkeit ihres Gesangs bei der fünfstimmigen Motette von Philippe de Monte. Das Hauptwerk des Abends war zweifellos die zehnstimmige Motette „Stabat mater” von Domenico Scarlatti. Wer glaubte, Scarlatti sei nur für Tastenmusik zuständig gewesen, wurde hier eines Besseren belehrt. In 20 Einzelabschnitten stellte Scarlatti Christi Leiden aus der Sicht seiner Mutter dar, Kraftquelle für den gläubigen Christen. Die einzelnen Soggetti, Textabschnitte, wurden zwischen Chor und hervorragenden Solisten aufgeteilt und signifikant und intonatorisch absolut rein herausgearbeitet. Immer wieder frappierend war die Leistung, mit der der Chor Textdeklamation und musikalischen Bogen zu einem Ganzen vereinigte, was auch im Dirigat Stefan Weilers seinen Ausdruck fand. Schlichtweg eine überaus interessante Komposition, deren innere Dramatik zum Ende des Stücks eine ungeahnte Steigerung erfuhr, sich in Ariosi und einem lebhaften Fugato manifestierte und schließlich in einem antiphonalen Amen mit echatologischem Charakter kulminierte. Dem Spiel mit Stereoeffekten wurde besonders in der Motette „Plaudite” von Giovanni Gabrieli Rechnung getragen, wo drei ebenbürtige Chöre miteinander konzertierten und sich den Lobpreis Gottes stimmgewaltig zuriefen. Die Motette „Cantemus Domini” von Rossini zeigte, dass der Opernkomponist mit den schönen Melodien den Palestrina-Stil so mustergültig beherrschte. Natürlich durfte in solch einem Konzert auch Monteverdi und seine Marienvesper nicht fehlen. Das „Nisi Dominus” war nur ein kleiner Ausschnitt daraus, doch ein wahrer Hörgenuss, der Lust macht auf mehr. Das Mammutprogramm führte schließlich zum „Pater noster”. Aus einem homogenen Unisono-Beginn sprossen wohlgerundete romantische Klänge, die nie schwülstig klangen und ganz der adäquaten Textinterpretation verschrieben waren. Auch wenn das Publikum noch so klatschte, der Dirigent des renommierten Mainzer Figuralchors konnte sich nicht für eine Zugabe erweichen lassen. Doch auch so hatte der Chor die Zuhörer bereits üppig mit kostbaren Schätzen aus fünf Jahrhunderten beschenkt. (dkx)
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