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Treffen der Bach-EnthusiastenMainzer Rhein-Zeitung - Dienstag, 11. Juli 2006Figuralchor beschäftigte sich mit den Neujahrskantaten des KomponistenMAINZ. Die Mainzer Bonifaziuskirche von 1954 ist ein Ort von freundlicher Nüchternheit. Seit Jahren konzertiert hier der Mainzer Figuralchor. Diesmal, beim zehnten Bachwochenende, sitzt als begleitendes Orchester wieder die Mainzer Camerata Musicale im Altarraum. Drei kleine barocke Corni da Caccia (Jagdhörner) stechen im Eröffnungskonzert besonders hervor. Zusammen mit den Pauken lassen sie Johann Sebastian Bachs Weimarer Kantate „ Lobe den Herrn, meine Seele”(Nr. 143) prunkvoll und prächtig klingen – und gar nicht nüchtern. Gründlich wie kein anderes Ensemble der Region hat sich der Figuralchor der Musik Bachs verschrieben. Seit dem Jahr 2000 gibt es ein- bis zweimal im Jahr ein Bach-Wochenende: In zwei Konzerten und einem Gottesdienst sollen so über die Jahre hinweg Bachs Kantaten in chronologisch-thematischer Ordnung erklingen. Dirigent Stefan Weiler wählt zunächst eine Kantate nach der Entstehungszeit, bringt dann aber weitere Werke, die später zu einem vergleichbaren Anlass entstanden. So kann der Hörer vergleichen, wie sich Bachs Kompositionskunst entwickelt hat. Die strenge Systematik verlangt im Juli 2006 nach den Neujahrskantaten. Ob der Termin angesichts der Fußball-WM und hochsommerlichen Temperaturen glücklich gewählt ist? Weiler zeigt sich unbeirrt: Er brauche nicht unbedingt ein volles Haus. „ Es ist eher schade für die Leute, dass sie nicht kommen.”Diejenigen, die kommen, erleben nach Kantate Nr. 143 noch drei Beispiele aus den ersten vier Leipziger Kantatenjahrgängen: „Singet dem Herrn ein neues Lied” (Nr. 190), „Jesu, nun sei gepreiset” (Nr. 41) und „Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm” (Nr. 171). Der Figuralchor singt klangschön, deutlich und transparent. Das Orchester spielt beredt und mit Schwung. Die Solisten Beate Heitzmann (Sopran), Bettina Ranch (Alt), Ulrich Müller-Adam (Tenor) und Stefan Müller-Ruppert (Bass) bilden ein profiliertes, aber durchaus homogenes Ensemble. Vielleicht ist es gerade die moderne Raumarchitektur, die die Eigenheiten des Bachschen Tonsatzes besonders herausstellt. Immer wieder überraschen exponierte Soli, unkonventionelle Wendungen, unerwartete Taktwechsel und ungewöhnliche Stimmführungen. Dass viele Zeitgenossen diese Musik als extravagant empfanden, ist verständlich – und ebenso, dass sie die Nachwelt fasziniert hat. Für die Leipziger Kantaten tauschen die Bläser die Jagdhörner gegen kleine Trompeten. Die kräftigen modernen Intrumente sprengen leider die Balance, immer wieder übertönen sie Bachs filigranes Gewebe. Viel zu entdecken bleibt dennoch. Weiler belässt es bei kurzen Hinweisen fürs Publikum. Ausführliche Erläuterungen sind dem Gesprächskonzert am zweiten Abend vorbehalten, in dem die Neujahrskantate „Herr Gott, wir loben dich” (Nr. 16) erklingt. Das Gesprächskonzert sei überhaupt eine Form, die viel zu wenig gepflegt wird, meint der Dirigent. Obwohl er vor allem auf die kleine Gemeinde gleich gesinnter Bach-Enthusiasten setzt, ist ihm das Vermittlungsproblem bewusst. Und so liegt ihm auch der musikalische Nachwuchs am Herzen. Erstmals ist das Gesprächskonzert mit einem Dirigierkurs verbunden, zu dem er seine Studenten und Absolventen vom Bischöflichen Institut für Kirchenmusik in Speyer eingeladen hat. Andreas Hauff
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