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Vom Beginn der Schöpfung bis zum ewigen Licht

Mainzer Rhein-Zeitung - Dienstag, 15. Mai 2007

Mainzer Figuralchor unter Leitung von Stefan Weiler sang in St. Bonifaz: Dramaturgische Freiheiten waren schlüssig

MAINZ. Alpha et Omega – „ich bin das A und O” waren die Gottesworte, die als Motto dem jüngsten Konzert des Mainzer Figuralchores vorangestellt waren. Werke von Günter Bialas, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde, und György Ligeti, der im vergangenen Jahr verstorben ist, verbanden sich beim Konzert in der Kirche St. Bonifaz mit der Bach-Kantate „O heilges Geist- und Wasserbad”, BWV 165, zu einer Einheit.

Chorleiter und Programmchef Stefan Weiler begründete vorab auch aus diesem Motto heraus seine Entscheidung, der Vertonung der „Schöpfungsgeschichte” von Bialas Textauszüge aus der Offenbarung des Johannes gegenüberzustellen. Eine dramaturgische Freiheit, die sich als schlüssig erwies, denn der Kontrast von schöpferischer und apokalyptischer Kraft blieb nur auf der Ebene des Textes bestehen, wohingegen in der musikalischen Umsetzung deutlich wurde, dass das ursprüngliche Weltchaos gar nicht allzu weit von den zerstörerischen Visionen, die den Kern der Apokalypse bilden, entfernt ist. Höchst dissonante Verschiebungen der sechs Chorstimmen, rauschartiges Anschwellen und plötzliches Wiedereinfinden in gemeinsamem, homophonem Gesang dienen der Auslegung des Textes, so dass auf liedhafte Passagen fast ganz verzichtet wird und nur einzelne wiederkehrende Textteile in ein immer gleiches musikalisches Motiv übersetzt werden. Der dramatische Gestus der Musik, dessen sieben Teile jeweils einer absteigenden Erregungskurve vom Beginn des Schöpfungstages bis zu den beruhigenden Worten „Abend war und Morgen ward” folgen, fand seinen Widerhall in den prophetischen Posaunen der Offenbarungsengel.

Einen weiteren dramaturgischen Eingriff gab es bei Ligetis berühmtesten Chorwerk „Lux aeterna”: Die Ferne des ewigen Lichts wurde durch das Verschwinden des Chores aus dem Kirchenschiff deutlich gemacht. Der 16-stimmige, ätherische Gesang drang nun tatsächlich „aus der Ferne” zu den Zuhörern. Der Effekt war erstaunlich, und die neun leeren Takte, mit denen Ligeti seine Komposition beendet hat, wurden mindestens vom Publikum eingehalten, bevor es zu klatschen wagte. Erholung von den fremden, aber auch überaus anstrengenden Klängen bot die Bach-Kantate, die in kammermusikalischer Orchesterbesetzung zur Aufführung kam.

Anna-Kristina Laue