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Großartiges Musik-Erlebnis

Pirmasenser Zeitung - Mittwoch, 10. Oktober 2007

Mainzer Figuralchor konzertierte in der Dahner St. Laurentiuskirche

Mindestens ein Kirchenkonzert im jährlichen Spielplan der Dahner Sommerspiele gehört zum Prinzip bei der Programmgestaltung. Diesmal war es der bekannte Figuralchor aus Mainz, der unter Leitung von Stefan Weiler nun schon zum zweiten Mal ein großartiges Erlebnis in der St. Laurentiuskirche bescherte. Stand beim Auftritt 1991 Mozart im Mittelpunkt, so gab der Michaelistag das Motto für ein Kirchenkonzert, dem es höchstes Lob zu attestieren gilt.

Mit von der Partie war die hervorragend musizierende Mainzer Camerata Musicale und ein mit glücklicher Hand ausgesuchtes Solisten-Quartett mit Sabine Goetz (Sopran), Bettina Ranch (Alt), Andreas Karasiak (Tenor) und Egon Dämmer (Bass), die durchweg zum hervorragenden Gelingen beitrugen und mit dem Chor zusammen souverän von Weiler durch die Klippen gelenkt wurden.

Eine Kantate zum Michaelistag des von Johann Sebastian Bach hochgeschätzten Sohnes seines Großonkels [Anm.: Johann Christoph Bach war eigentlich sein Großonkel; dessen Vater Heinrich war der Bruder von J. S. Bachs Großvater Christoph] mit dem beziehungsreichen Titel „Es erhub sich ein Streit”, einer in Text und Musik dargestellten Auseinandersetzung der guten Mächte mit den Mächten des Bösen, eröffnete. Und diese ist mit zehnstimmigem Doppelchor, vier Trompeten, Pauken und Streichern höchst eindrucksvoll dargestellt.

Nach einer kurzen Sinfonia der Streicher beginnt der Kampf. Die Pauke gibt den Marschtakt vor, die Trompeten blasen zur Attacke. Nach und nach steigert sich das Getümmel zu einer gewaltigen Schlacht, an deren Ende der Sturz des Drachen steht. Ein typisches und musikalisches Schlachtengemälde, wie es für viele Barockkomponisten von besonderem Reiz war. Chor wie Orchester waren im Nachvollzug des Geschehens nicht zu übertreffen, geradezu suggestiv von Weiler animiert.

Ein weiteres Werk zu Michaeli schloss sich an: Johann Sebastian Bachs Eingangschor zur Kantate „Nun ist das Heil und die Kraft” (BWV 50), von der leider nur dieser Teil erhalten ist. Bachs Eröffnungchöre zeigen in der Regel eine ungewöhnliche Prachtentfaltung, so auch hier. Die groß angelegte Chorfuge, in der das Thema und seine feststehenden Kontrapunkte ständig miteinander vertauscht werden, erfordert ein hohes Maß an Ausdruckskraft und polyphoner Gestaltungsfähigkeit. Und hierin hatten die Mainzer keinen Mangel, ja sie überboten sich geradezu in der Nachzeichnung der melodischen Strukturen.

In Joseph Haydns „Nelson-Messe” ist nichts von der bei ihm häufigen Fröhlichkeit zu bemerken. Sie ist tiefernst, an vielen Stellen geradezu bittend. Dies zeigt vor allem das Kyrie. Nach dem düsteren Moll des Kyrie eröffnet freudiger Jubel das Gloria, die Solisten mischten sich im Wechsel ein, ein facettenreiches, klingendes Loblied, durchzogen vom symphonischen Geist Haydnscher Instrumentalwerke gab dem Text überhöhtes Gepräge.

Im Credo herrschte zunächst die alte barocke Kontrapunktform mit einem strengen Kanon zwischen Sopran und Tenor, Solis wechselten darauf mit Chorpartien. Das Orchester agierte in symphonischen Dimensionen, den dramatischen Teilen wurde dabei in hohem Maße Rechnung getragen. Nach einem in tiefer Frömmigkeit sich wiegenden Sanctus folgte auf den Pleni-sunt-coeli-Jubelruf ein tröstlich versöhnliches Agnus Dei. Insgesamt eine tief beeindruckende Wiedergabe des bedeutenden Haydnschen Messe-Schöpfung.

(kawe)